{"id":777,"date":"2020-01-21T15:18:54","date_gmt":"2020-01-21T14:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/eine-welt-erleben.de\/?p=777"},"modified":"2020-01-22T10:23:28","modified_gmt":"2020-01-22T09:23:28","slug":"congo-calling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eine-welt-engagement.de\/index.php\/2020\/01\/21\/congo-calling\/","title":{"rendered":"Congo Calling"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> ein Filmreview f\u00fcr an Entwicklungsarbeit iInteressierte von <strong>Lea Hennemann<\/strong> (ehemalige ewe-Freiwillige in Masabuka)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Congo Calling ist ein Dokumentarfilm von Stephan Hilpert, der drei Europ\u00e4er portr\u00e4tiert, die in der ostkongolesischen Stadt Goma leben und arbeiten. Peter, der nach 30 Jahren Entwicklungszusammenarbeit in den Ruhestand versetzt wird, sucht nach Wegen trotz des knapper werdenden Geldes in Goma, das seine Heimat geworden ist, zu bleiben. Der junge Spanier Ra\u00fal forscht \u00fcber Rebellengruppen im Ostkongo und hadert mit der Machtposition, die ihm allein durch seine Forschungsgelder und durch die Rolle als Arbeitgeber seiner einheimischen Freunde zuf\u00e4llt. Und Anne-Laure, die als Entwicklungshelferin nach Goma gekommen ist, diese Arbeit aber aufgegeben hat und nun Gomas gr\u00f6\u00dftes Musikfestival \u201eAmani\u201c mitorganisiert, fragt sich, ob und wie ihre Beziehung mit ihrem kongolesischen Freund Fred langfristig in Goma funktionieren kann und ob sie die Kraft hat, dauerhaft fernab ihrer Heimat Belgien zu leben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Congo Calling stellt somit nicht die Armut der Bev\u00f6lkerung\noder die Gewalt im Ostkongo in den Mittelpunkt, sondern schildert sehr intim\ndie pers\u00f6nlichen Geschichten der drei Protagonisten, die alle auf ihre Weise\neng mit Goma verbunden sind. Beeindruckt hat mich vor allem Ra\u00fal, der versucht,\nwertfrei zu beobachten und dabei auf Kategorien wie \u201erichtig\u201c und \u201efalsch\u201c zu\nverzichten. So lauscht er unvoreingenommen der Erz\u00e4hlung eines ehemaligen\nRebellen, der ihm von dem Zauber seiner Mei-Mei-T\u00e4towierung berichtet, und\nversucht, selbst als zwei seiner Mitarbeiter die ihnen anvertrauten\nForschungsgelder veruntreuen, sie angesichts der Versuchung der \u201eS\u00e4cke voll\nGeld\u201c, die er \u201ein einen Ozean aus Armut\u201c bringt, nicht zu verurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ehemalige Freiwillige des ewe hat der Film mich\nbesonders bewegt. Das Leben in Goma, das in einer der \u00e4rmsten und unsichersten\nRegionen der Welt liegt, und in dem zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung Fl\u00fcchtlinge\nsind, ist sicherlich nicht direkt mit dem Leben in Mazabuka, wo ich meinen\nFreiwilligendienstes 2014\/15 verbracht habe, vergleichbar: Blauhelm-Soldaten\npatrouillieren die Stra\u00dfen, die Dichte an Hilfsorganisationen und\nEntwicklungshelfern ist extrem hoch und Gewalt und Korruption sind stets pr\u00e4sent.\nDennoch haben viele Szenen des Films bei mir Erinnerungen an meine Zeit in\nMazabuka geweckt: Sei es der Airtel Shop an der Stra\u00dfenecke, die Musik beim\nAmani Festival oder das inbr\u00fcnstige Gehupe im Stra\u00dfenverkehr. Und sie haben\nFragen, die ich mir w\u00e4hrend meiner Zeit in Sambia oft gestellt habe, neu\naufgeworfen: Welche Rolle hatte ich in den Augen der Einheimischen allein durch\nmeine europ\u00e4ische Herkunft? Welche Hilfe k\u00f6nnen und sollten ausl\u00e4ndische NGOs\nvor Ort langfristig leisten? Ist die Hilfe aus dem Norden sinnvoll oder\nverursacht sie nur weitere Abh\u00e4ngigkeiten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Film zeigt Situationen, die ich \u00e4hnlich erlebt habe. So\nwird das Kamerateam auf der Stra\u00dfe von Stra\u00dfenkindern umringt, die rufen: \u201eIch\nwill, dass ihr uns ein Haus baut.\u201c \u201eWir wollen einen Pool und alles, um wie die\nWei\u00dfen zu sein.\u201c \u201eWir lieben Goma. Wir wollen wie die Wei\u00dfen sein.\u201c Dass Kinder\nund auch Erwachsene h\u00e4ufig davon ausgehen, dass man als Wei\u00dfe Geld und Reichtum\nbesitzt, habe ich auch in Sambia erfahren. Und ganz Unrecht haben sie damit ja\nauch nicht. Selbst ich als Freiwillige hatte damals weit mehr zur Verf\u00fcgung als\nviele andere. Und ich hatte immer die Sicherheit, im Notfall zur Bank gehen und\nGeld abheben zu k\u00f6nnen. Trotzdem hat mich das Bild als reiche Wei\u00dfe irgendwann\nsehr gest\u00f6rt. Ich wollte als Person und nicht als Wei\u00dfe wahrgenommen werden.\nDass es nicht einfach ist, die unsichtbare Grenze zwischen Ausl\u00e4ndern aus dem\nglobalen Norden und Einheimischen zu durchbrechen, und dass dies im Rahmen der\nEntwicklungszusammenarbeit selten gelingt, wird auch im Film thematisiert. So\nerz\u00e4hlt Fred, dass Anne-Laure eine der wenigen Europ\u00e4er in Goma ist, die die\nvirtuelle Grenze \u00fcberwunden hat, obwohl es dort von Entwicklungshelfern ja nur\nso wimmelt. Genau das macht die Idee des ewe so wichtig. Partnerschaft auf\nAugenh\u00f6he, die sich viele NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit attestieren,\nfunktioniert nicht, indem man sie in Leitbilder und Programme schreibt, sondern\n\u00fcber enge Kontakte, langsam aufgebautes Vertrauen und mit der Zeit wachsende\nFreundschaften. Mit dem Konzept, Freiwillige in Gastfamilien und Gemeinden zu\nintegrieren, macht es der ewe seinen Freiwilligen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht, die\nvirtuelle Grenze zu durchbrechen: Auch wenn ich am Ende meines Jahrs auf der\nStra\u00dfe nach wie vor mit Muzungu angesprochen und nach Geld gefragt wurde, war\nich f\u00fcr meine Familie und meine Freunde nicht mehr die reiche Wei\u00dfe, sondern\nihre Tochter, Schwester, Freundin Lea.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Egal, ob man schon einmal im Kongo oder anderswo in Afrika war oder nicht, Congo Calling wirft Fragen beim Zuschauer auf und gibt Denkanst\u00f6\u00dfe zur kritischen Hinterfragung von Entwicklungszusammenarbeit und zur Rolle von Europ\u00e4ern im Ausland. Gerade f\u00fcr Leser von ewe-aktuell, die alle irgendeinen Bezug zur Thematik haben, ist der Film daher sehr sehenswert. Dass er keinerlei Bewertung der Situation vor Ort vornimmt und f\u00fcr die Fragen, die er aufwirft, keine L\u00f6sungen pr\u00e4sentiert, finde ich pers\u00f6nlich sehr ansprechend, sind doch auch wir Europ\u00e4er mit unseren Beurteilungen h\u00e4ufig zu voreilig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[tube]iOpi9LRpmNQ[\/tube]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/filme\/das-kleine-fernsehspiel\/congo-calling-100.html\">https:\/\/www.zdf.de\/filme\/das-kleine-fernsehspiel\/congo-calling-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L<strong>eider nur noch bis 9. Februar verf\u00fcgbar!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein Filmreview f\u00fcr an Entwicklungsarbeit iInteressierte von Lea Hennemann (ehemalige ewe-Freiwillige in Masabuka) Congo Calling ist ein Dokumentarfilm von Stephan Hilpert, der drei Europ\u00e4er portr\u00e4tiert, die in der ostkongolesischen Stadt Goma leben und arbeiten. 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